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Dazu verdammt, ewig zu leben
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Rezension bezieht sich auf: Alle Menschen sind sterblich (Taschenbuch) Fosca kommt im Mai 1279 zur Welt. In der kleinen Stadt Carmona verbringt er seine Jugend und wird als 22-Jähriger durch einen Putsch zum Fürsten der Stadt. Fürst zu sein, das bedeutet zu jener Zeit, sich gegen Angreifer zu wehren und um wirtschaftliche Macht zu kämpfen. In einem solchen ständigen Krieg liegt Carmona mit Genua.

Eines Tages stehen die Genueser vor den Toren der Stadt und belagern sie. Die Lage ist dramatisch. Ein Bettler bittet in dieser Situation um eine Audienz. Für Fosca hat er etwas Besonderes mitgebracht: eine alte staubige Flasche, darin eine grünliche Flüssigkeit. Dies sei, erklärt der Bettler, der Trank, der unsterblich mache.

Fosca trinkt. Und wird unsterblich.

Das ewige Leben beginnt er mit Schaffenskraft. Er verwandelt das Städtchen Carmona zum Handelszentrum, attackiert, paktiert und intrigiert 200 Jahre lang. Fosca wird anschließend zum persönlichen Berater des Kaisers Maximilian und zum Mann hinter Karl V. Schließlich gelangt er in die Neue Welt und avanciert zum Entdeckungsreisenden. Zurückgekehrt nach Frankreich findet sein Alltag in den Salons des Ancien Régime statt. Das beschauliche Leben ist vorbei, als er später in die Rolle des Revolutionärs schlüpft. Doch auch dies ist nur eine von vielen Phasen ...

Fast sieben Jahrhunderte lässt Simone de Beauvoir ihren Protagonisten in „Alle Menschen sind sterblich" durchschreiten. Über 20 Menschengenerationen - für Fosca, den immerdar Lebenden, ein Wimpernschlag der Zeit. Den Trank aus einer Laune heraus zu sich zu nehmen, hat erkenntnisreiche Folgen: Das Glück, ewig zu leben, schlägt um in eine Tour de Force, einen Fluch. Denn obwohl Fosca immer der attraktive Mittdreißiger bleibt und wechselhafte Schicksale erlebt, ist er gleichfalls gezwungen zu sehen, wie die Menschen, die er liebt oder zu lieben vorgibt - seine Frauen, Geliebten, Söhne und Töchter -, altern und schließlich sterben. Und immer wieder muss Fosca erleben, dass das Streben der Menschen ohne Hoffnung zu sein scheint.

Es stellt sich beim Lesen die Frage, wer denn mehr zu bedauern sei: der Unsterbliche oder die Sterblichen, die versuchen, ihrem Leben einen Sinn zu geben. Dieses Problem hat Fosca nicht mehr. Egal, was er tut oder unterlässt, ob er sich Jahrzehnte schlafen legt oder in der Prärie versucht, sich zu erschießen: Er wird weiterleben. Bis ans Ende der Tage. Alles ist egal.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Dezember 2003
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